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Das Dateiformat, das 2026 das Web übernimmt und warum es wichtig ist

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Das Dateiformat, das 2026 das Web übernimmt und warum es wichtig ist

JPEG wurde letztes Jahr 30. Und die meiste Zeit davon gab es nichts, was das Format wirklich ernsthaft bedroht hätte. WebP hat es 2010 versucht, Google hat kräftig geschoben, alle haben es zur Kenntnis genommen, und JPEG lief einfach weiter. PNG bleibt überall dort im Einsatz, wo Transparenz gebraucht wird. Und GIF weigert sich ohnehin seit Jahren, zu verschwinden.

AVIF ist allerdings etwas anderes. Das ist nicht bloß noch ein Format, das Browserhersteller widerwillig in ihre Kompatibilitätstabellen aufnehmen. Der Formatkrieg ist vorbei. AVIF hat gewonnen. Das ist keine Übertreibung, sondern schlicht das Ergebnis der Zahlen.

Was AVIF eigentlich ist

AVIF steht für AV1 Image File Format. Der Hintergrund ist wichtig: AV1 wurde ursprünglich für Video entwickelt, von einem Bündnis, zu dem unter anderem Google, Apple, Mozilla, Microsoft, Netflix und Amazon gehören. Diese Unternehmen hatten genug davon, Lizenzgebühren für H.264 und HEVC zu zahlen, also haben sie gemeinsam einen lizenzfreien Codec von Grund auf gebaut. Das hat Jahre gedauert, und am Ende war das Ergebnis erstaunlich gut.

Irgendwann fiel dann auf: Wenn man ein einzelnes Bild aus einem AV1-Video nimmt und als Standbild speichert, ist die Kompression absurd gut. Deutlich besser als alles, was der JPEG-Algorithmus aus dem Jahr 1992 leisten kann. Genau das ist AVIF. AV1, angewendet auf Fotos.

Die Zahlen

Bei einem typischen Foto erreicht AVIF ungefähr 50 Prozent bessere Kompression als JPG, bei vergleichbarer sichtbarer Qualität. Nicht 10 Prozent, nicht 15 Prozent, sondern ungefähr die halbe Dateigröße. Für Websites mit vielen Bildern macht das bei Bandbreite und Ladezeit einen echten Unterschied.

WebP, also Googles früherer Versuch eines moderneren Bildformats, schlägt JPEG ebenfalls. Aber AVIF ist bei den meisten Motiven noch einmal rund 30 Prozent effizienter als WebP. Wer bereits WebP nutzt und denkt, das reicht schon, lässt in vielen Fällen trotzdem noch spürbare Performance liegen.

Neben der Kompression unterstützt AVIF HDR, große Farbräume und Transparenz. Texte und harte Kanten sehen bei gleicher Dateigröße oft sauberer aus als bei JPEG. Auch Animationen sind möglich, auch wenn in der Praxis für bewegte Inhalte weiterhin häufiger GIF oder WebP verwendet werden.

Warum das gerade 2026 wirklich relevant wird

AVIF gibt es seit ungefähr 2019. Chrome war früh dabei, Firefox zog nach. Safari hat länger gebraucht, und das ist wichtig, weil Safari auf dem iPhone nun einmal kein Nischenbrowser ist. Mit Safari 16 kam die Unterstützung dann endlich, und 2024 lag die globale Browser-Abdeckung laut Can I Use bereits bei 93 Prozent. Anfang 2026 wurde die Marke von 95 Prozent überschritten.

Ab diesem Punkt kann man als Webentwickler ein Format realistisch als primäre Option einsetzen, ohne ständig an Fallbacks denken zu müssen. Für sehr alte Geräte ist ein JPEG-Backup weiterhin sinnvoll, aber mit dem <picture>-Element richtet man das einmal ein und muss sich danach kaum noch damit beschäftigen.

Auch Googles PageSpeed Insights markieren JPEG- und PNG-Bilder inzwischen gezielt als Optimierungschance und empfehlen ausdrücklich AVIF. Wer sich um Core Web Vitals kümmert, und das sollte man, weil sie Rankings beeinflussen, bekommt von Google inzwischen ziemlich klar die Richtung vorgegeben.

Wo es noch nicht funktioniert

E-Mail ist die offensichtlichste Lücke. Die meisten Mail-Clients können AVIF nicht darstellen, und das wird wahrscheinlich noch eine Weile so bleiben. Wer Bilder für Newsletter oder automatisierte E-Mails erzeugt, sollte deshalb weiter bei JPEG oder PNG bleiben.

Ähnlich sieht es im Druck aus. Labore und Druckereien erwarten TIFF, PDF oder hochwertiges JPEG. AVIF gehört in dieser Welt bisher noch nicht zum Standard.

Und auch für Fotografen, die ihre Bibliotheken in Lightroom oder Capture One verwalten, ist nativer AVIF-Export noch immer eher lückenhaft. Man kommt über Konvertierungstools ans Ziel, aber so selbstverständlich wie JPEG oder TIFF ist das noch nicht.

Was das bedeutet, wenn man eine Website betreibt

Wer ein CDN wie Cloudflare oder Cloudinary nutzt, liefert unter Umständen schon heute AVIF aus, ohne es bewusst eingerichtet zu haben. Beide Dienste erkennen über den Accept-Header, was der Browser unterstützt, und liefern dann automatisch das passende Format aus. Man lädt JPEG hoch, der Dienst kümmert sich um den Rest.

In Next.js wird AVIF seit Version 13 standardmäßig vom Image-Component unterstützt.

Für alle anderen ist der praktische Weg ziemlich klar: bestehende Bilder in AVIF umwandeln und zusätzlich ein JPEG als Fallback anbieten. Mit FastConverts Bildkonverter lässt sich das stapelweise erledigen: JPEGs oder PNGs hochladen, AVIFs zurückbekommen, fertig.

Ist das relevant, wenn man kein Entwickler ist

Wahrscheinlich nicht direkt. Wer eine Website über Squarespace, Wix oder WordPress mit einem modernen Theme betreibt, bekommt die Formatfrage zunehmend im Hintergrund abgenommen. Hosting oder CDN regeln das dann automatisch.

Aber wenn man sich schon einmal gefragt hat, warum Bilder auf manchen Websites spürbar schneller laden als auf anderen, obwohl sie optisch kaum anders aussehen, dann steckt dahinter oft genau diese Formatwahl. Der Unterschied zwischen einer Seite, die noch JPEGs mit 800 KB ausliefert, und einer Seite, die AVIF-Dateien mit 350 KB serviert, summiert sich gerade mobil sehr schnell.

JPEG hatte einen guten Lauf. Das Format hat seinen Platz in der Geschichte verdient. Aber seine Zeit als Standard läuft aus, und AVIF ist der Nachfolger.

Ja. Die Browser-Unterstützung liegt weltweit bei über 95 Prozent. Wenn Sie im picture-Element einen JPEG- oder WebP-Fallback für ältere Browser mitgeben, sind Sie auf der sicheren Seite.

Bei gleicher Dateigröße sieht AVIF in der Regel besser aus, mit weniger Artefakten und saubereren Kanten. Bei gleicher Bildqualität ist die AVIF-Datei einfach kleiner.

Ja. Die meisten Bildkonverter unterstützen das inzwischen. Mit FastConvert lässt sich AVIF direkt online erzeugen, ohne zusätzliche Software.

Nein. E-Mail-Clients unterstützen AVIF derzeit nicht. Für E-Mails sollten Sie JPEG oder PNG verwenden.

JPEG XL ist in manchen Szenarien effizienter als AVIF, aber die Browser-Unterstützung ist Anfang 2026 noch sehr begrenzt. Chrome Canary bekam Ende 2025 zwar einen Decoder, stabile Unterstützung dürfte aber frühestens in der zweiten Hälfte von 2026 kommen. Für jetzt ist AVIF die pragmatische Wahl.

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